Umgang mit Narzissten

Ein selbstbestimmter und souveräner Umgang mit einem Narzisst ist möglich, wenn man weiss, warum er ist, wie er ist. Hier eine (faktenbasierte, komplexitätsreduzierte, verständliche und auf eigenen Erfahrungen aufbauende (fantasy self)) Zusammenfassung dieser noch wenig erforschten und häufig missverstandenen Persönlichkeitsstörung:

Ursache Narzissmus

Narzissmus gilt als eine Form unverarbeiteter posttraumatischer Belastungsstörung 

die ein Narzisst mit seinen ihm eigenen (malfunctioning) Überlebensstrategien (coping / defense mechanism) zu bewältigen versucht.

Es wird davon ausgegangen, dass Narzissmus neben einer genetischen Prädisposition (vererbtes Trauma) auf einem unverarbeiteten Kindheitstrauma des Narzissten selbst beruht.

Das Trauma des Narzissten soll dabei entweder durch eine ungesunde Verehrung (golden child), Zurückweisung (neglect) oder eine Kombination aus beidem verursacht worden sein (tatsächlicher Missbrauch I).

Da ein Narzisst in seiner Kindheit entweder für etwas "geliebt" (gelobt) wurde, was er nicht war (golden child), nicht beachtet / kritisiert wurde für das, was er war (neglect) oder beides zusammen, ist in seiner Kindheit folgendes passiert:

Kindheit des Narzissten

Ein Narzisst hat in seiner Kindheit gelernt:

1.) dass sein (true) Selbst nicht "richtig" ist
(Missbrauch I durch praise/neglect)

2.) dass er sich für sein (true) Selbst schämen muss
(Narzissmus = schambesetzte Selbstwertstörung)

3.) dass er sich von seinem (true) Selbst distanzieren und nach aussen das von ihm erwartete (false) Selbst präsentieren muss

4.) dass sein natürliches kindliches Bedürfnis nach Liebe nur gestillt wird, wenn er sein (false) Selbst zeigt
Learning 1: Liebe = Anerkennung (für das (false) Selbst)
Love = praise / admiration for (false) self

5.) dass er mit dem Missbrauch I (praise/neglect) nur umgehen konnte, indem er mit seinem (true) Selbst in eine Fantasiewelt auswich
(primäre Bewältigungsstrategie / coping)

6.) dass er sich in seiner Fantasiewelt ein neues (fantasy) Selbst erschaffen konnte

7.) dass er in seiner Fantasiewelt alles sein konnte, was sein (true) Selbst nicht war (mächtig, wichtig, überlegen, "richtig", speziell, grossartig, überlegen, unabhängig...)
(primäre Verteidigungsstrategie / defense)

8.) dass es für sein (true) "falsches" Selbst zwischen (false) und (fantasy) Selbst keinen Platz und Nutzen mehr gab (split)
Learning 2: Zurückweisung = nicht wahr
(rejection = not true)

9.) dass sein (true) Selbst von seiner Umwelt als "falsch" beurteilt wurde (true = false)
(Selbstwertstörung)

10.) dass das nach aussen gezeigte (false) Selbst nicht seinem (true) Selbst entspricht (false = not true = false)

11.) dass folglich das in seinen Fantasien erschaffene (fantasy) Selbst sein (true) Selbst sein muss (fantasy = true)
(Persönlichkeitsstörung)

Das (true) Selbst wurde verbannt (abandon) und konnte sich nie entwickeln
(Identitätsstörung)

Könnte der permanente Verlust des wahren (true) Selbst der Grund für die für Narzissten kennzeichnende Angst vor Zurückweisung und Verlust sein? (fear of rejection, fear of abandonment).
Könnte es ausserdem der Grund für die mangelnde Empathie des Narzissten sein (lack of empathy)? Könnte sich Empathie vielleicht nur in einem "true" Selbst entwickeln?

split true self = abandon true self = loose true self = who am i? what do i feel? = hurt = "hurt people hurt people" = narcissistic abuse?

Der Narzisst lebt fortan mit seinem vom (fantasy) Selbst gesteuertem (false) Selbst in der Realität

Im Narzisst existiert kein (true) Selbst (mehr), ein Narzisst ist non existent. Es gibt nur false und fantasy self - beide sind aber NICHT ECHT (not true
).

Klar soweit?


Die in der Kindheit des Narzissten entwickelten Strategien (coping mechanism) waren geeignet, das ständig ab- und/oder entwertete (true) Selbst vor weiterem Missbrauch zu beschützen (defense mechanism).

Die primären Bewältigungsstrategien / coping waren das Präsentieren eines (false) Selbst, das den Erwartungen anderer entsprach, und die Erschaffung einer Fantasiewelt zum Schutz seines (true) Selbst.

Die primäre Verteidigungsstrategie / defense des (true) Selbst bestand im Erschaffen eines auf den Fantasien des Narzissten beruhenden (fantasy) Selbst, mit denen er als Kind sein instabiles Selbstwertgefühl (true self) zu regulieren versuchte.

Die Fantasien des Narzissten sind als Grundlage seiner Persönlichkeits-/Identitätsstörung zu verstehen,


Sämtliche heute zur Diagnose von NPD Narzissten herangezogene Merkmale entstammen den kindlichen Fantasien des Narzissten
(sense of self-importance, grandiosity, fantasies of power, success, power, brilliance, feeling of specialness, superiority) 


Da niemand, nicht mal der Narzisst selbst, wusste, was im Narzissten vorgeht, konnte ihm auch niemand helfen. Die Folgen des unbewältigten Traumas sind unter anderem:

Merkmale Narzissmus

1.) Empathielosigkeit (lack of empathy) ist eines der herausstechendsten Merkmale eines Narzissten und für Menschen ohne diese Störung einer der am schwierigsten zu verstehenden Züge. Narzissten haben kognitive Empathie, d. h sie können auf der logischen Ebene nachvollziehen, warum jemand welche Gefühle hat und können durchaus Empathie zeigen, wenn sie sich einen Vorteil davon versprechen. Narzissten fehlt es aber an emotionaler Empathie, sie werden nie von Herzen mitfühlen oder überhaupt etwas anderes fühlen können ausser Wut, Neid, Demütigung und Schadenfreude (für das Pech anderer). Narzissten haben kein Zugang zu ihren eigenen Gefühlen, diese scheinen mit dem (true) Selbst untergegangen zu sein. Aus diesem Grund werden Narzissten auch nie in der Lage sein, zu lieben. Sie können idealisieren, aber nicht lieben. Sie können Empathie ausdrücken, werden diese jedoch nie fühlen. Sie können verletzen, ohne Bedauern zu empfinden, verlassen, ohne zurück zu blicken, ausbeuten, ohne Reue oder Scham zu verspüren. Sie fühlen es nicht, auch wenn sie so tun.
2.) Schwierigkeiten mit Objektpermanenz (lack of whole object constancy). Dabei handelt es sich um die kognitive Fähigkeit, zu wissen, dass eine Person auch dann noch existiert, wenn sie sich ausserhalb des Wahrnehmungsfeldes des Narzissten befindet. Da Narzissten meist von Narzissten erzogen werden (vererbtes Trauma), waren sie von Eltern/Elternteilen umgeben, welche die gleiche Störung aufweisen (no identity / personality disorder - no real self - non existent). Da ein Narzisst keine (oder wenig) Objektpermanenz besitzt, lebt er nach dem Prinzip "aus den Augen, aus dem Sinn".
3.) Probleme mit einer realistischen Objektbeziehung. Narzissten können andere nicht weiterhin als "gut" wahrnehmen, wenn diese Fehler oder menschliche Schwächen zeigen (lack of object relations).
4.) Black/White Thinking. Ein Narzisst war in seiner Kindheit viel Kritik (für sein echtes Selbst), viel Lob (für sein falsches Selbst) oder beidem gleichzeitig ausgesetzt. Er hat gelernt, dass er entweder gut oder schlecht ist. Für ihn sind Menschen daher entweder oder, niemals beides
5.) Splitting. Menschen sind für Narzissten entweder ideal (all good) oder alles andere als ideal (all bad).
6.) Shape Shifting. Da das nach aussen gezeigte (false) Selbst nicht sein (true) Selbst ist, ist ein Narzisst fähig, sich an seine jeweilige Umgebung (Personen) und den damit (vom Narzissten angenommenen) verbundenen Erwartungen anzupassen
7.) Antagonismus. Von seiner Umgebung wird das vom Narzissten jeweils gezeigte (false) Selbst als (true) Selbst wahrgenommen und entsprechend beurteilt. Dies steht jedoch im permanenten Widerspruch zu seinem (fantasy) Selbst, was von ihm als (true) Selbst identifiziert wurde
8.) Codependency. Der Narzisst muss sein nach aussen gezeigtes (false) Selbst als (fantasy = true) Selbst bestätigt bekommen, ansonsten ist der Widerspruch im Inneren nicht zu bewältigen

Ready für die Erwachsenenwelt?

Narzissten als Erwachsene 

Als Erwachsener muss sich ein Narzisst mit seinem als (true) empfundenen (fantasy) Selbst durch Präsentieren eines (false) Selbst der Realität stellen

Bevor wir uns das Leben von Narzissten als Erwachsene vorstellen können, müssen wir uns nochmal kurz das Mindset eines Narzissten anschauen, mit dem er in und anschliessend durch sein Erwachsenenleben geht.

Mindset eines Narzissten
Der regelmässige Rückzug in Fantasien hat die kindliche Persönlichkeit von Narzissten so nachhaltig geprägt, dass diese es in ihrem Erwachsenenleben nicht schaffen, ihrer Fantasiewelt (vollständig) zu entwachsen.


Narzissten FUNKTIONIEREN zwar in der Realität, LEBEN aber in ihrer Fantasiewelt
(arrested development)


Narzissten werden auch als Kidults (Kids/Adults) bezeichnet, weil sie sich oft wie Kinder (in erwachsenen Körpern) verhalten. 

Es wird angenommen, dass Narzissten in ihrer emotionalen Entwicklung im Kindesalter (ca. zwischen zwei und zehn Jahren / Spektrum) stehen geblieben sind (arrested development). Dies zeigt sich vor allem in Konfliktsituationen, aber dazu später mehr. Nur eins vorweg:

Das Leben eines Narzissten ist ein einziger Konflikt


Narzissten sind im Inneren unsichere ängstliche Kinder, die sich in ihrer Fantasiewelt verirrt haben. Alles scheint ihnen unberechenbar und verkehrt (not true). Sie haben grosse Vertrauensprobleme (lack of trust). Um ihren Mindset bewältigen zu können (coping) müssen sie ihr Aussen permanent dominieren und kontrollieren (need for control). 

Die kindliche Impulsivität des Narzissten und dem kindlichen "Leben im Jetzt" (arrested development) führt aber meistens dazu, dass im Leben eines Narzissten ständig alles ausser Kontrolle gerät.

Das Hauptgefühl im Leben eines Narzissten ist
ALARM


Da das narzisstische Selbstverständnis (grandiosity) nur der Fantasie des Narzissten entstammt (fantasy self) und weder im nach aussen (je nach Situation oder Person (shape shifting)) gezeigten (false) Selbst, noch im gar nicht erst entwickelten (true) Selbst verankert ist, ist es extrem brüchig (fragiles Selbstwertgefühl). 

Der Narzisst ist darauf angewiesen (narcissistic codependency), dass seine Umwelt ihm seine von ihm als wahr (true) empfundenen (fantasy) Gefühle (grandiosity, superiority, importance...) durch Bestätigung (need for validation of false / fantasy self) zurück spiegeln, um sie weiterhin als wahr (true) sehen zu können. 

Die Abhängigkeit von der Anerkennung und Validierung anderer zeigt das wahre Ausmass der Dysfunktionalität der narzisstischen Persönlichkeitsstörung


Warum scheitert das? Weil die Umwelt des Narzissten nur sein (false) Selbst sieht und ihn nur anhand dieses (false) Selbst beurteilen kann.

Sein (fantasy) Selbst wird, wenn es vom Narzissten offen gelegt wird (eher beim grandiosen Narzisst zu beobachten) als Unsinn, Spinnerei, Träumerei, oder als SELBSTVERLIEBTHEIT abgetan und nicht ernst genommen. Welcher erwachsene Mensch würde überhaupt so von sich denken? Richtig. Ein Narzisst (Mindset eines Kindes).


Im Merkmal der Selbstverliebtheit liegt die Ironie der narzisstischen Persönlichkeitsstörung


Der Narzisst liebt sein (fantasy) Selbst. Da das aber nicht echt (true) ist, ist auch seine Selbstliebe nicht echt (not true).

Das (true) Selbst musste der Narzisst in seiner Kindheit splitten (rejection) und verbannen (abandon). Zum (true) Selbst hat er im Erwachsenleben keine Verbindung mehr, aber die damit verbundene Scham ist Teil seiner Kernidentität (core identity), vielleicht der einzige Teil, der vom (true) Selbst geblieben ist.

Der Narzisst navigiert sich mit seinem (false) Selbst durchs Leben, und für dieses wünscht er sich (wie aus seiner Kindheit gewohnt) Anerkennung (= Liebe). Was andere nicht sehen (das Verborgene hinter dem Offensichtlichen) ist, dass das (false) Selbst von einem (fantasy) Selbst gesteuert wird. 

Der Narzisst reagiert äusserst empfindlich auf Angriffe seines (false / fantasy) Selbst. 

Kritik, Verlust oder Niederlagen sind existenziell bedrohlich für das brüchige (fantasy = true) Selbst eines Narzissten 


Gehen wir mit diesem Mindset des Narzissten nun weiter in sein Leben. Der Narzisst ist aufgrund seiner Störung auf der Persönlichkeitsebene in einem Zustand permanenter Dissonanz. Antagonismus pur. Nichts passt zusammen. 

das ganze System des Narzissten scheint paradox - und es geht noch  paradoxer



Narzissten als Erwachsene

Ein Narzisst muss nicht nur sein false/fantasy Selbst streamlinen, er muss auch zwei unterschiedliche Realitäten synchronisieren

Realität 1: fantasy reality

Im Lauf der Zeit hat sich das kindliche Fantasiedenken von Narzissten in ihren Denk- und Verhaltensmustern manifestiert. 

Sie empfinden ihr aus ihren Fantasien geborenes (fantasy) Selbst wirklich als wahres (true) Selbst und sehen sich entsprechend wirklich als grossartig, einzigartig, "besser als", wichtig, überlegen etc.. Narzissten denken, die Welt und alles darin gehört ihnen (superiority), dass sie besser sind als andere und ihnen deswegen mehr als allen anderen zusteht (sense of entitlement). Für Narzissten gelten keine Regeln (no moral compass) und keine Grenzen (no boundaries). Sie sind die Götter der (ihrer fantasy) Welt (arrested development).

Realität 2: real reality

Im täglichen Leben sind Narzissten aber leider vielfach einfach nur normale Durchschnittsmenschen, die wie alle anderen Fehler machen und Rückschläge erleiden. Sie werden bei Beförderungen übergangen, Partner verlassen sie und Bussen gibt es auch noch. Narzissten spüren und erfahren, dass andere Menschen sie nicht so (superiority) wahrnehmen wie sie sich selbst, und dass sie im wahren (real) Leben nicht all das erreichen, wovon sie in ihren (fantasy) Welt träumen (Status, importance) und wozu sie sich aufgrund ihrer (fantasy) Grossartigkeit (grandiosity, superiority, specialness) berechtigt fühlen (entitlement).

Die Diskrepanz zwischen fantasy/real reality sowie Selbst- und Fremdwahrnehmung führt zu einem für den Narzissten unerträglichen Antagonismus (Widerspruch)

Fassen wir zusammen: Der Narzisst muss auf einer ersten Ebene sein false (Präsenz und Cover) und fantasy (Denken und Handeln) Selbst durchs Leben navigieren. Damit wären die meisten schon überfordert. 
Auf einer zweiten Ebene muss er noch zwei sich viel zu häufig widersprechende Welten (fantasy / real world) synchronisieren. Wie klingt das? Für nicht persönlichkeitsgestörte Menschen ziemlich verrückt. Für einen Narzisst ist das sein Leben.

Narzissmus gilt als eine dissoziative Störung 
(Auseinanderfallen)


Hier erklärt sich die narzisstische Abhängigkeit von der Validierung anderer (narcissistic codependency). 

Da das (fantasy) Selbst / Selbstwertgefühl von Narzissten in der Realität ständig erschüttert wird, nehmen sie selbst Äusserungen, die nicht als Kritik gemeint war, als Kritik und damit als Bedrohung wahr (anticipated perception). 

Da ein Narzisst in seiner Kindheit tatsächlichem Missbrauch ausgesetzt war (Missbrauch I), empfindet er alles, was sein (fantasy) Selbst im späteren Leben bedroht, als fortgesetzten, antizipierten Missbrauch (Missbrauch II), selbst wenn es nur in seinem Kopf passiert und gar nicht so gemeint war.

Kritik ist das Gegenteil von Validierung / Bestätigung. Jede Art von Kritik, ob konstruktiv oder destruktiv, wahr oder nur vom Narzissten angenommen, ist eine Bedrohung seines Selbst (threat to self). 

Narzissten sehen Kritik als Missbrauch (II). Was Sinn macht. Sie wurden in ihrer Kindheit entweder zu oft kritisiert (neglect) oder gar nicht (golden child) (Missbrauch I). Aus diesem Grund sind Narzissten kritikunfähig.


Da der Narzisst gemäss seinem gestörten (delusional) Selbstverständnis (fantasy self) zu perfekt ist, um mit seinem (false) Selbst (in Realität 2) Fehler zu machen oder negative Gefühle (bad) zu empfinden, muss es aus seiner (fantasy) Sicht an etwas anderem liegen


Und mit "an etwas anderem" ist "an allem ausser mir" gemeint.
Um sein (fantasy) Selbst zu beschützen, hat der Narzisst im Laufe seines Lebens sekundäre Bewältigungsstrategien entwickelt, jetzt zum Schutz seines (fantasy = true) Selbst.

Verhalten von Narzissten

Die sekundären Verteidigungsstrategien / defense gelten für beide Typen (offener, klassischer, gradioser) und (verdeckter, verletzlicher, covert)

1.) Rejection: Der Narzisst hat in seiner Kindheit gelernt, dass alles, was er zurückweist / von sich weist, nicht wahr ist und nicht wahr sein kann  (rejection = not true). Narzissten sind nicht kritikfähig. Jede Art von (wahrer oder nur wahrgenommener) Kritik wird vom Narzissten sofort zurückgewiesen. Kann nicht sein. Punkt.

2.) Rage: In Konfliktsituationen haben Narzissten aufgrund mangelnder emotionalen Reife (arrested development) unkontrollierte Wutausbrüche (rationalisierung / covering: "like a crazy italian woman"), schmollen, laufen beleidigt weg oder ziehen sich in ihre Fantasiewelt zurück, in der sie alles unter Kontrolle haben (coping) und (weiterhin, entgegen der wahrgenommenen oder angenommenen Kritik) gut sind.
3.) Projection: Aus der (kindlichen) Unfähigkeit des Narzissten, Verantwortung übernehmen zu können (lack of responsibility, arrested development) wurde die Bewältigungsstrategie der Projektion geboren (coping). Es MÜSSEN die anderen sein, die ...(etwas negatives) gemacht oder ... (etwas negatives) gedacht oder ...(etwas negatives) gefühlt haben (defense).
4.) Rationalizing: Diskrepanzen in seinen verschiedenen Wahrnehmungen (false / fantasy self) und Welten (fatasy / real reality) rationalisiert der Narzisst so lange (es liegt sicher an... (etwas anderem) bis seine verschiedenen Realitäten wieder synchronisiert sind.

Bei den Strategien, mit denen sich ein Narzisst durch sein Leben als Erwachsener navigiert, den sekundären Bewältigungsstrategien / coping gibt es allerdings Unterschiede bei den beiden narzisstischen Haupttypen (overt/covert), was auch ihr unterschiedliches Auftreten erklärt.

Unterschied offener (grandioser) und fragiler (verletzlicher) Narzisst

Die Merkmale der DSM5 weisen beide Narzissmus Typen auf, d. h beide denken, sie wären grossartig, einzigartig, wichtig, überlegen. Sie treten grundsätzlich verschieden auf, können ihr strategisches Vorgehen situativ aber auch gut anpassen (covert/overt switch). Ein offener Narzisst kann auch mal subtil vorgehen, ein covert auch mal aggressiv. 

Grundsätzlich erkennt man sie aber gut an ihrem alltäglichen und längerfristigen Auftreten.


Der klassische Narzisst wirkt arrogant, zeigt seine Überheblichkeit meist offen und erwartet von anderen, ihm in seiner Meinung über sich (grandios) zu folgen. 

Der fragile (covert) Narzisst ist sehr viel schwieriger zu identifizieren (verdeckter Narzissmus). Um die benötigte Bewunderung zu erhalten, setzt er auf "backhanded compliments" (fishing for compliments). 

Ein verdeckter Narzisst spielt seine "Erfolge" und sich als Person herunter (put down), um vom Gegenüber das Gegenteil bestätigt zu bekommen ("ich bin nicht..."  - "doch, bist Du", "ach, das ist doch nichts" - "doch, das ist total..."). 

Er hat gelernt, dass arrogante, dominante, eingebildete Menschen gemieden werden, weswegen er sich nach aussen hin als bescheiden (humble), verträglich und scheinbar selbstkritisch präsentiert - für diese als lobenswert geltenden Charakterzüge will er allerdings als grossartig bewundert werden.

Get it?


Overt und Covert Narzissten haben die gleichen Bewältigungsstrategien / coping, kommen wegen ihrer unterschiedlichen Typologie aber grundsätzlich auf unterschiedlichen Wegen zum Ziel:

1.) controlling: da Narzissten in einer (für sie) unberechenbaren Welt leben, versuchen sie, alles zu kontrollieren. Kontrollverlust bedeutet Bedrohung.

Ein grandioser Narzisst ist sehr offen in seinem Dominanzbestreben.
Er sagt, was er denkt, macht, was er will, trifft Entscheidung ohne Rücksicht, befiehlt, kommandiert und wer es wagt, sich ihm (dem GRANDIOSEN Narzissten) in den Weg zu stellen, wird entweder charmant manipuliert (auf die eigene Seite gezogen), in einen wilden Machtkampf gezogen oder ohne weitere Zeitverschwendung entsorgt. Einem grandiosen Narzissten stellt sich niemand in den Weg. Er hat die Kontrolle. Wer nicht pariert, fliegt. Selber schuld.

Ein covert Narzisst hat eine völlig andere Herangehensweise. Er tritt beratend, besorgt oder wohlwollend auf ("ich meins ja nur gut, naja, musst Du selber wissen, kein Wunder wenn... ich würde..., denkst Du nicht, dass... und wenn...?").

Ein verdeckter Narzisst geht direkt in die Psyche, er ist ein Meister im Lesen vom Menschen. Er weiss, was sie hören wollen, er kennt ihre Schwachpunkte. Er streut Ängste, gibt vor, sich Sorgen zu machen, verwirrt, manipuliert, täuscht.

Woran man erkennt, dass er eigentlich das Geschehen kontrollieren will? Man entscheidet für sich selbst. Achtung: wenn gegen den Rat des covert Narzissten entschieden wurde, legt er seinen (innerlichen) Ärger nicht zwingend offen. Deswegen verdeckter Narzisst. Er weiss sich und seine wahren Gefühle bestens zu verstecken. Manchmal rächt er sich (direkt oder zeitverzögert) über andere Strategien (withholding, backstabbing, silent treatment, gaslighting...) oder auch erst Jahre später. Aber er rächt sich GANZ SICHER. Covert Narzissten können sehr geduldig sein, wenn es um ihre (süsse) Rache geht. Sie erinnern sich noch Jahre später an Dinge, die alle anderen schon längst vergessen haben. Ein verdeckter Narzisst ist sehr nachtragend und vergisst eine solche (von ihn als wahre (true) interpretierte) Attacke auf sein (fantasy - superior-grandios-important-special) Selbst niemals.

2. devaluation: Wenn der Narzisst nach der Idealisierungsphase (idealization) erkennt, dass das Objekt seiner Begierde (Mensch, Job, Traum) nicht perfekt (all good) ist, sieht er es als wertlos (all bad) und beginnt es mit verschiedenen Verhaltensweisen zu entwerten (devaluation). 

Wenn etwas nicht perfekt ist, sieht der Narzisst sich selbst als unperfekt an (lack of object relation). Er kann sich nur als grossartig (grandios) sehen, wenn alles, mit was er sich umgibt, grossartig ist (superiority, entitlement, belief in own specialness, status/hirachical thinking).

Alles "unperfekte" bedroht das Selbstwertgefühl des Narzissten (need for admiration), da es sein narzisstisches Selbstverständnis (false / fantasy self, gradiosity) in Frage stellt / diesem widerspricht.
ABER: Auch wenn ein Narzisst sich gerne mit Grossartigem umgibt. grossartiger als der Narzisst selbst darf man nicht sein, sonst droht eine Verletzung seine fragilen Egos (fantasy self), und das hat Folgen, ganz sicher.

Hinzu kommt, dass ein Narzisst in seinem Leben ganz grundsätzlich gelangweilt ist (arrested development, need for excitement). Wie ein Kind, braucht er ständig neues Spielzeug. Das alte wird dann in den Schrank geschoben. Vergessen. Vielleicht irgendwann mal wieder lustlos vorgekramt. Aber nie wieder idealisiert (s. auch cycle of abuse).

Nicht glänzt für den Narzissten so schön wie etwas Neues


Wenn der Narzisst etwas devaluiert (entwertet) hat, trennt er sich davon (discard), ohne Reue, ohne zurück zu blicken. Es war eh nichts wert, stand ihm eh nur ihm Weg (devalued). Er muss weiter, auf ihn wartet etwas Besseres, er ist schliesslich speziell, wundervoll, talentiert, einzigartig und verdient Besseres (fantasy).

Wenn er (noch) nicht gehen kann, versucht er es mit anhaltender und endloser Kritik zu verbessern (Partner, Kinder)
Dieses Verhalten ist auch im Verhältnis zwischen einem narzisstischen Elternteil und seinen Kindern zu beobachten (vererbtes Trauma), was Co Parenting für den anderen Elternteil so schwierig macht. 


Ein grandioser Narzisst verschwendet beim Devaluieren keine Zeit. Er kritisiert, beschämt, wütet, schleudert seine Frustration dem Gegenüber direkt ins Gesicht. Wenn er keine Lust mehr hat, dreht er sich um und ist weg.

Ein covert Narzisst ist auch hier das Gegenteil. Devaluation findet ganz subtil statt. Versteckte Kritik, verachtende Blicke, vergessene (oder ruinierte) Geburtstage oder Verabredungen, Drama, endlose Konflikte, auch gern schwelende, Silent Treatments, Rückzug, Stonewalling, Triangulation.

Der covert Narzisst greift ganz tief in seine Trickkiste, um dem anderen zu zeigen, dass er in seinen Augen nichts mehr wert ist. So tief, dass der Gegenüber lange nicht weiss, was eigentlich genau los ist. Was der verdeckte Narzisst auch so plant und geniesst, denn so hat er die Kontrolle ("ich weiss was, was Du nicht weisst...") (arrested development).

3. manipulation: Narzissten manipulieren ihre Umwelt, wo sie nur können. Nicht umsonst gelten sie als Charmeure und pathologische Lügner. Sie lügen schon ihr ganzes Leben. Sie belügen sich selbst und andere. Die meisten Narzissten sind so dissoziativ, dass sie in dem Moment, wo sie lügen, zwar wissen, dass sie lügen, danach aber durch Umschreiben (rationalisieren, zurückweisen...) ihrer Wahrnehmung sogar in der Lage sind, ihren eigenen Geschichten zu glauben (irgendwie).  

Narzissten SIND eine Lüge (no true self) 

Mit ihren Lügen versuchen sie, die Wahrnehmungen und Schlussfolgerungen anderer zu beeinflussen (z. B "warum wirst Du damit in Verbindung gebracht?" es folgt eine Story (lang oder kurz) warum nicht er es ist/sein kann, der gemeint ist. Es ist mit Sicherheit jemand anderer. Oder der, der ihn damit in Verbindung bringt, ist schuld (will ihm was Böses (envy trait)). Es kann auch sein, dass er etwas halb zugibt (white lies) oder auch bei klaren Beweisen auch ganz, aber dann folgt mit letzter Sicherheit eine Story, warum das alles gar nicht so schlimm ist/war, dass er es nicht so gemeint hat, dass er eigentlich nur etwas Gutes damit bewirken wollte, dass andere nur... und irgendwann (eher früher als später) sind wir wieder woanders (deception, delusion, manipulating, lack of responsibility, lack of insight).

Narzissten aufgrund ihres Entwicklungsstandes (Kind) nicht in der Lage, Verantwortung zu übernehmen

So oder so - ein Narzisst ist immer unschuldig
Er ist ein Kind


Und spätestens jetzt wissen Sie auch, wie ein souveräner Umgang mit ihnen in Konfliktsituationen aussieht:

1.) Sie können das Ego des Narzissten mit ganz viel Lob und Anerkennung füttern (Validation of fantasy self)

2.) Sie können versuchen, mit einem Narzissten zu reden, versuchen, ihn zu überzeugen, zu streiten, zu argumentieren - stellen Sie sich einen (overt/covert) Machtkampf mit einem wirklich wütenden Vierjährigen vor (arrested developement) und viel Spass. Rational? Fair? Verständnis? Einsicht? Geht nicht, es GEHT nicht.

Oder
Sie suchen sich einen anderen Spielplatz
Und lachen über den ganzen kindischen Unsinn


Klare Grenzen. Klare Regeln. Ein gutes Selbstmanagement. Sie sind der Erwachsene. 


Wenn man verstanden hat, mit wem man es bei seinem Gegenüber zu tun hat, ist der Umgang wirklich nicht so schwer. Das Entwickeln von persönlichen Konfliktstrategien und der Aufbau emotionaler Distanz kann im Umgang mit Narzissten Wunder bewirken

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